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Mayer-Lay: FCAS braucht Klarheit – keine Vormundschaft

Volker Mayer-Lay

 

Das Future Combat Air System (FCAS) war als das sicherheitspolitische Jahrhundertprojekt Europas gedacht: ein Kampfflugzeug der sechsten Generation, begleitet von kooperativen unbemannten Systemen, hochentwickelter Sensorik und einer „Combat Cloud“, die den luftgestützten Einsatz vernetzt. Ziel war, europäische Industriekompetenz zu bündeln, technologische Souveränität zu stärken und international gleichwertig aufzutreten. Von dieser Vision bleibt inzwischen zu wenig übrig. Statt konstruktiver Partnerarbeit erleben wir Machtspiele, Blockaden und nationale Eitelkeiten, die das Projekt lähmen.

Es ist bekannt, dass Dassault‑Chef Éric Trappier früh eine Führungsrolle Frankreichs gefordert hat; er sagte, er brauche „keine anderen Fähigkeiten außer den eigenen, um ein Kampfflugzeug zu bauen“ und drohte zuletzt mit einem Alleingang, falls Dassault nicht die alleinige Entscheidungsmacht erhalte. Wer auf diese Weise auftritt, will keine Partnerschaft – er verlangt Unterordnung.

Deutschland darf sich diesem Diktat nicht beugen. Unsere Industrie ist nicht nur leistungsfähig, sie ist wettbewerbsfähig und innovationsstark: u.a. Airbus, MTU, Diehl, Indra Avitech, Hensoldt – ergänzt durch exzellente Forschung in Künstlicher Intelligenz, Sensorik und Cybersicherheit – bilden eine tragfähige Basis für anspruchsvolle Luftfahrtauslegung und Systemintegration. Deutschland ist kein Zulieferer, sondern ein gleichwertiger Technologiepartner.

Seit dem Projektstart im Jahr 2017 bis zur aktuellen Phase 1B sind bereits Milliarden an Investitionen gebunden – und wertvolle Zeit geht verloren. Verzögerungen in zentralen Arbeitspaketen wie der Combat Cloud und der Triebwerksentwicklung gefährden nicht nur Termine, sondern die operative Perspektive der Luftwaffe: Die nächste Generation von Kampfflugzeugen droht in die Ferne zu rücken, während andere Nationen ihren Vorsprung ausbauen. Bereits heute forschen verschiedene Staaten an Kampfjets der nächsten Generation. Beispielhaft zu nennen sind die USA mit ihrem Projekt F-47, Russland mit der Mig-41 und die China, das die Systeme J-36 und J-50 entwickelt. 

Bundeskanzler Friedrich Merz hat zu Recht darauf gedrängt, bis Jahresende eine Lösung zu finden; Verteidigungsminister Boris Pistorius hat offen auf das Risiko eines Scheiterns hingewiesen, sollte Frankreich seine Blockadehaltung fortsetzen. Spanien hat seine Beteiligung an FCAS und dem parallellaufenden Marschflugkörperprojekt „Taurus Neo“ bekräftigt – in Madrid wächst jedoch die Ungeduld, falls die industrielle Führung nicht wieder ins Gleichgewicht gebracht wird.

Wenn partnerschaftliche Gleichberechtigung nicht gewährleistet ist, muss Deutschland Entschlossenheit zeigen. Es gibt reale Alternativen und Kooperationsmöglichkeiten: das Vereinigte Königreich, Italien und Japan treiben eigene Programme der sechsten Generation voran, Schweden hält mit Saab Optionen offen. Gespräche zwischen Airbus und Saab über eine mögliche Zusammenarbeit zeigen, dass ein Plan‑B technisch und politisch denkbar ist und Anschlussfähigkeit sichern könnte.

Ein strategisches Bündnis mit Partnern wie Schweden könnte Technologieoffenheit, Planungssicherheit und echte Gleichberechtigung bringen – ohne nationale Dominanzansprüche. Das würde zudem die europäische Basis verbreitern, statt sie auf ein einzelnes Gewicht zu zentrieren. Deutschland braucht bei FCAS keinen Vormund, sondern verlässliche Partner auf Augenhöhe. Wir dürfen uns nicht darauf verlassen, dass ein Projekt nur durch beharrliches Ausharren gerettet wird. Lieber ein klares Ende mit Konsequenzen als ein endloses Warten auf Einsicht.

Die politische Führung muss jetzt zwei Dinge deutlich machen: Entweder FCAS wird auf Grundlage geteilter Führung, fairer Arbeitsaufteilung und verbindlicher Zeitpläne fortgeführt oder Deutschland und seine verlässlichen Industriepartner gehen alternative Partnerschaften ein, die technologisch und politisch tragfähig sind.

FCAS darf nicht zum politischen Feigenblatt verkommen. Wenn Europa seine technologische Souveränität will, darf es seine innovativsten Akteure nicht ausbremsen. Deutschlands Stärke liegt in Kooperation — aber nicht in Unterordnung. FCAS ist am Ende und Deutschland steht am Scheideweg. Die Frage ist nur, haben wir jetzt den Mut Rückgrat zu zeigen und auszusteigen oder lassen wir uns weiterhin in kontroverse Diskussionen verstricken.


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